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13.03.2013

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Geschichte des modernen Bergbaus im Schwarzwald
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Einleitung

Der Bergbau im Schwarzwald hat eine lange Tradition. Bereits in der Steinzeit wurde im hinteren Sulzburger Tal Hämatit abgebaut, die Römer haben sehr wahrscheinlich in Sulzburg Silber gewonnen. Nach einem enormen Aufschwung im Mittelalter, der der Region einen erheblichen Reichtum gebracht hat, ließen die Aktivitäten langsam wieder nach und im dreißigjährgen Krieg war der Bergbau im Schwarzwald erloschen. Nur langsam erholte er sich von der Krise, doch im 18. Jahrhundert kam es in einigen Revieren zu einer erneuten Blüte, als im mittleren Schwarzwald bei Wittichen und Wolfach reiche Vorkommen von Silber- und Kobalterzen erschlossen wurden. Diese erfolgreiche Periode währte jedoch nicht lange und schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging die Ausbeute der Gruben erneut zurück. Es wurden von staatlicher wie auch von privater Hand nochmals Versuche unternommen, alte Gruben im Kinzigtal und im Münstertal neu zu erschließen, doch war diesem Bemühen kein länger anhaltender Erfolg beschieden. So standen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts keine bedeutenden Bergwerke mehr in Förderung.

Ein in vielfacher Hinsicht bedeutender Moment für den Bergbau im Großherzogtum Baden war die Einführung des neuen Badischen Berggesetzes am 22. Juni.1890. Es löste eine im Jahre 1797 durch den badischen Markgrafen Karl Friedrich erlassene badische Bergordnung ab, die nach annähernd 100 Jahren nicht mehr zeitgemäß war. Das neue Badische Berggesetz baute auf dem Allgemeinen Berggesetz für die Preußischen Staaten aus dem Jahre 1865 auf. Die Geschäfte des Bergbaus erfolgten nun unter der Oberleitung des Ministeriums des Inneren bei gleichzeitiger Errichtung einer nach dem Kollegialprinzip arbeitenden Domänendirektion in Karlsruhe als oberer Bergbehörde und eines Bergmeisters als unterer Bergbehörde. Letzterer hatte seinen Sitz zeitweise auch in Bad Dürrheim, da er gleichzeitig die dortige Saline leitete. Für die Bergbautreibenden hatte die neue Gesetzgebung die Folge, daß nun Bergbaufreiheit herrschte, Privatunternehmer also selbständig Bergbau betreiben durften, nachdem sie eine Lagerstätte verliehen bekommen hatten. Infolge des neuen Gesetzes stellte sich daher eine Flut neuer Mutungen, also von Verleihungsanträgen, auf die altbekannten Erzlagerstätten des Schwarzwaldes ein. Nur eine sehr geringe Zahl davon führte tatsächlich zu Verleihungen, doch bewirkte das enorm gestiegene Interesse an den alten Lagerstätten auch eine bemerkenswerte Schürfaktivität im Schwarzwald. Die meisten Betriebe hatten indes keine Zukunft; die Lagerstätten auf denen sie bauten, waren bei weitem zu kleinräumig oder zu erzarm, um eine rentable Ausbeutung zu ermöglichen. Man fand aber auch eine Anzahl von Vorkommen, die durchaus einen wirtschafltichen Betrieb versprachen, so daß sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts einige größere Betriebe etablieren konnten. Sie bauten in der Mehrzahl die nun interessanten Minerale Fluß- und Schwerspat ab, an denen die Bergleute der vergangenen Jahrhunderte kein Interesse hatten und sie überwiegend auf Halde schütteten oder als Versatz in alte Grubenbaue einbrachten. Die früher gesuchten silberhaltigen Bleierze waren nun oft nur noch Nebenprodukt und wurden allenfalls gelegentlich mitgewonnen. Nur in zwei Betrieben, der Grube Friedrich-Christian in Wildschapbach und in der Grube Schauinsland, stand die Gewinnung dieser Erze zumindest zeitweise noch im Vordergrund. Außerdem förderte man in Eisenbach geringe Mengen von Manganerzen.

In den 1950er Jahren rückte das Uran zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses. War man in den frühen 50er Jahren wegen nur wenig erfolgreicher Prospektionsbemühungen noch der Meinung, daß im Schwarzwald überhaupt keine bergwirtschaftlich interessanten Uranlagerstätten auftreten, so erwiesen sich die mehr zufällig entdeckten Uranerzgänge im Krunkelbachtal bei Menzenschwand schließlich doch noch als überraschend erzreich. Auch bei Baden-Baden wurde durch systematische Prospektionen eine wirtschaftlich interessante Uranvererzung gefunden und bergmännisch untersucht.

Zum Ende des 20. Jahrhunderts war diese späte Bergbauphase wieder weitgehend beendet. Zahlreiche der oft nur vergleichsweise kleinen Vorkommen waren ausgebeutet, die Urangruben aufgrund des lokalen und überregionalen Widerstands sowie wegen der geänderten Verhältnisse auf dem Weltmarkt für Uran wieder geschlossen. Lediglich ein Bergwerk war zu Beginn des Jahres 2001 noch in Förderung, die Grube Clara bei Wolfach, die als moderner Gewinnungsbetrieb Flußspat, Schwerspat sowie kleine Mengen von Kupfer- und Silbererzen förderte und weiter fördert.

Die vorliegende Arbeit soll die neuere Geschichte des Schwarzwälder Bergbaus detailliert beschreiben und damit diese wohl letzte große Phase des traditionsreichen Industriezweigs in Baden zusammenfassen. Sie entstand aus der Beobachtung heraus, daß bergbaugeschichtliche Darstellungen bislang die moderneren Grubenbetriebe nicht erfassten, da die meisten dieser Arbeiten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zum Teil sogar noch im 19. Jahrhundert verfasst wurden. Danach wurden die geschichtlichen Aspekte einzelner Bergbaureviere in mineralogisch-lagerstättenkundlichen Arbeiten umrissen, wobei jedoch nur sehr wenige Hintergrundinformationen gegeben und oft nur die Betriebszeiten grob zusammengefaßt wurden.

Ein Aspekt, der in den bislang veröffentlichten Aufsätzen über den modernen Bergbau praktisch überhaupt keine Berücksichtigung fand, ist die Rolle der Bergbautreibenden, ob Gesellschaften oder Einzelpersonen, auf die Entwicklung der Bergbauindustrie des Schwarzwaldes. Ihnen soll hier etwas mehr Platz eingeräumt werden.

Diese Arbeit beruht ganz überwiegend auf den Bergbauakten des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg, das seit dem 1. Juli 1998 auch die Landesbergdirektion einschließt. Diese Unterlagen stellen ein heute noch weitgehend vollständiges Archiv primärer Informationen über die baden-württembergische Montanindustrie dar. Gemäß dem Ziel dieser Arbeit wurden die Akten, die die Metall-, Fluß- und Schwerspatgruben des Schwarzwaldes betreffen, intensiv ausgewertet. Dabei ergab sich ein erstaunlich detailliertes und facettenreiches Bild der einzelnen Grubenbetriebe. Wo notwendig, erfolgte eine behutsame Ergänzung der Daten aus der Bergbauliteratur. Es wurde jedoch durchaus auch in Kauf genommen, daß die Informationsfülle zu den einzelnen Betrieben wechselnd ist und nicht in jedem Falle voll mit der Bedeutung der Gruben korrespondiert. Staatlich finanzierte Aufsuchungsbetriebe zeichnen sich im Aktenmaterial durch eine deutliche Überrepräsentation aus, während gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch bei bedeutenderen Bergwerken teilweise erstaunlich wenige Dokumente verfügbar sind. Ein besonders drastisches Beispiel solchen Ungleichgewichts ist die staatliche Prospektion der Nickelgrube Friedrich-August in Horbach, die vermutlich gewichtsmäßig zu erheblich mehr Papier als gewonnenem Nickel geführt haben.

Bei der Zusammenfassung der Daten wurde versucht, den Charakter der Dokumente soweit wie möglich wiederzugeben. Dies äußert sich in einer Vielzahl von Zitaten, die sehr anschaulich die Beweggründe der Bergbautreibenden, aber auch die zu verschiedenen Zeiten aufkommenden Probleme und das Verhältnis der Bergbehörde zu den Bergwerksbetrieben widerspiegeln können. Insofern handelt es sich neben einer chronologischen Darstellung des Werdeganges der Grubenbetriebe auch um eine Materialsammlung, die recht umfängliche primäre Informationen aus den einzelnen Betriebsperioden bietet. Um die Beurteilung der Betriebe durch die Umgebung möglichst lebendig darstellen zu können, wurden dort, wo vorhanden, zeitgenössische Presseberichte zitiert. Auch hier erwiesen sich die Akten der Bergbehörde als ein außerordentlich reichhaltiger Fundus.

Die Aufarbeitung der Daten nahm rund ein Jahr in Anspruch. Trotz aller Bemühungen kann eine solche Arbeit jedoch nicht vollständig sein. Dies liegt an der mitunter sehr kurzen Betriebsdauer vieler Gruben, die kaum schriftliche Unterlagen hinterlassen haben. Gerade auch die eng benachbarten Kleinbetriebe auf Schwerspat im Raum Zell im mittleren Schwarzwald sind nicht immer mit Sicherheit zu identifizieren und in den Akten klar zu trennen, wodurch weitere Lücken entstehen können. Im Einzelfalle wurden die Darstellungen etwas knapper gehalten, wenn bereits eine umfassende geschichtliche Darstellung der Betriebe erschienen ist, wie es beispielsweise bei der Grube Clara in Oberwolfach der Fall war.

Daneben mußte der Umfang dieses Buches insofern beschränkt werden, als nur solche Betriebe aufgenommen wurden, in denen nachweislich bergmännischer Vortrieb oder Abbau erfolgte. Dies bedeutet, daß die umfangreichen Prospektionsarbeiten der "Mineralogischen Studiengesellschaft" unter Dr. Teike im Schwarzwald in den 1930er Jahren ebenso nur teilweise berücksichtigt wurden wie die großräumigen Uranprospektionen durch verschiedene Gesellschaften in den 1970er und 1980er Jahren, die Goldprospektion im Raum Sulzburg oder die Untersuchungsarbeiten und Mutungen auf Wolframerze im Raum Zell am Harmersbach. Der Umfang dieser Arbeit wäre ohne diese Einschränkungen über das akzeptable Maß hinaus gewachsen.

Dieses Buch beschränkt sich weitgehend auf den Gangerzbergbau des Schwarzwaldes. Aus diesem Grund wurden die Betriebe, die sedimentäre Gips- und Eisenerzlagerstätten am Rande des Schwarzwaldes gewonnen haben, nicht aufgenommen. Möglicherweise wird ihnen in Zukunft eine separate Arbeit gewidmet. Als Exot unter den einheimischen Bergbaubetrieben wurde dagegen die Geschichte der Niobgrube in Schelingen am Kaiserstuhl bearbeitet.

Die den einzelnen Gruben gewidmeten Kapitel konzentrieren sich weitgehend auf die Darstellung der bergbaulichen Tätigkeiten. Daneben wurde versucht, geologisch-lagerstättenkundliche Details, soweit sie der Erläuterung oder Illustration dienen können, ebenfalls in die Beschreibungen einfließen zu lassen. Während des Aktenstudiums zeigte sich, daß die Unterlagen der Bergbehörde Informationen zu den Lagerstätten und den dort gewonnenen Erzen oder Mineralien enthalten können, die ansonsten kaum in der Literatur anzutreffen sind. Charakteristsche Beispiele sind die Uranvorkommen in Menzenschwand und Gernsbach, sowie die Flußspatgrube am Ettengraben bei Zunsweier als typischer Kleinstbetrieb. In diesen Fällen wurde den mineralogischen Daten mehr Platz eingeräumt, so daß auch zahlreiche bislang nicht verfügbare Informationen zu den Lagerstätten, denen der Bergbau galt, in dieser Arbeit zu finden sein sollten.

Im Bergbau hat sich über die Jahrhunderte ein außerordentlich spezialisiertes Vokabular entwickelt, um die Verhältnisse der Lagerstätten und Betriebe effizient und sachgerecht zu umschreiben. Dieses Vokabular wurde, insbesondere um eine weitestgehende Authentizität zu gewährleisten und auf umständliche Erklärungen verzichten zu können, in den Darstellungen dieser Arbeit größtenteils unverändert übernommen. Um auch weniger mit der Materie vertrauten Lesern das Verständnis der Sachverhalte zu erleichtern, wurde am Ende des Buches ein Glossar eingefügt, das die wesentlichen Begriffe allgemeinverständlich erläutert.

Der Autor hofft, mit dieser Arbeit einen kleinen Beitrag zur Erhaltung des Wissens über den heimischen Bergbau leisten zu können. Es wurde während der Zusammenstellung der Daten schmerzlich bewußt, daß schon jetzt kaum noch Zeitzeugen der Bergbaubemühungen vor dem zweiten Weltkrieg zu finden sind. In wenigen Jahren wird das breite Wissen selbst über die modernen Perioden des Bergbaus im Schwarzwald weitgehend erloschen sein. Dieses Buch soll helfen, Heimatforschern, Industriehistorikern wie auch mineralogisch und bergbaugeschichtlich interessierten Lesern einen Einblick in diese nur wenige Jahrzehnte zurückliegenden Phasen der Rohstoffgewinnung zu ermöglichen.


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