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13.03.2013

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Badische Kohle
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Einleitung

Auf dem Territorium der Markgrafschaft und des späteren Großherzogtums Baden spielte der über lange Zeiträume intensiv betriebenen Abbau von Silber- und Bleierzen eine erhebliche wirtschaftliche Rolle. Dagegen trat die Bedeutung des Steinkohlenbergbaus in dieser Region stark in den Hintergrund. Man hat im Gebiet von Baden-Baden sowie östlich von Badenweiler und im Raum Sulzburg auf entsprechenden Lagerstätten oberflächliche Untersuchungen angestellt, doch konnte kein nennenswerter Vorrat an gewinnungswürdigen Steinkohlen erschlossen werden. Daher sollten die Steinkohlenflöze im Raum Diersburg-Berghaupten die einzigen bleiben, auf denen ein nachhaltiger Bergbau umging. Diese Lagerstätte wurde mehr zufällig aufgefunden, als fremde Spezialisten im Bereich Berghaupten nach Heilwässern suchen sollten, stattdessen aber Kohlenlager entdeckten.

Die komplizierten geologischen Verhältnisse der Lagerstätte, von denen in den folgenden Kapiteln immer wieder die Rede sein wird, brachten es mit sich, dass die Steinkohlengewinnung um Berghaupten erhebliche Probleme aufwarf. Die Schichten des Karbon, in denen die Steinkohle auftritt, sind hier förmlich eingezwängt zwischen hohen Gneisrücken wie dem Staufenkopf, dem Mollenkopf und anderen. Die Nähe zum tektonisch aktiven Oberrheingraben bewirkte, dass die Gesteinsschichten stark gestaucht und gefaltet, zum Teil auch zerrissen wurden. Die Steinkohlenflöze wurden hierdurch zum Teil förmlich zerrieben, teilweise in relativ kleine Placken und Trümer zerteilt, die wegen der starken Aufrichtung der Gesteinsschichten fast senkrecht stehen und zumeist im kleinräumigen Firstenbau gewonnen wurden. In den ersten Betriebsjahren, als der Abbau überwiegend oberflächennah geschah, konnte diese Lagerstätteneigenschaft noch relativ problemlos toleriert werden. Bei zunehmendem Vordringen in die Tiefe erwies sie sich jedoch als äußerst nachteilig. Das Auffinden der Steinkohlelagen verursachte recht hohe Kosten, weil das Anlegen einer Unzahl von Suchstrecken notwendig war.

Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen in der Umgebung der Lagerstätte waren für den Kohlenabbau nachteilig, erstreckte sich das an sich kleine Steinkohlenlager doch über die vier Gemarkungen Diersburg, Niederschopfheim, Zunsweier und Berghaupten, auf die mit den Freiherren Röder, den Freiherren von Frankenstein, den Fürsten von der Leyen und den Reichsfreiherren von der Schleiß gleich vier verschiedene Grundherren einen Anspruch erhoben. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die letzten Betriebsperioden in Berghaupten ein wirtschaftlicher Misserfolg waren.

Es erscheint trotzdem angebracht, diese Phase genauer zu beleuchten, da sie ein interessantes Kapitel der einheimischen Montangeschichte darstellt. Sie ist eng verzahnt mit der wirtschaftlichen Entwicklung der „Gründerzeit“ und mit der ersten Phase der Elektrisierung des Großherzogtums Baden. Wie wir später sehen werden, war die Grube Berghaupten der erste Stromversorger des vorderen Kinzigtals. Auch zeigt ihre Geschichte, mit welcher Beharrlichkeit selbst im industrialisierten 20. Jahrhundert versucht wurde, die offenkundig den modernen Ansprüchen nicht genügende Steinkohlenlagerstätte mit Erfolg abzubauen, und welche verheerenden Einflüsse der Geldwertverlust der Inflation in den 1920er Jahren auf solche kleinen Betriebe hatte.

Glücklicherweise ist die Betriebsphase ab 1890, als die neue Badische Berggesetzgebung eingeführt wurde, durch Akten der Bergbehörden sehr genau dokumentiert. Der Anfang der 1890er Jahre stellt daher auch den Beginn der eigentlichen Betriebsschilderung in dieser Arbeit dar. Eine knappe Darstellung der Ereignisse in den vorangehenden Jahren wurde ihr als Einleitung vorangestellt.

Der Autor hofft, mit dieser Arbeit ein interessantes und wenig bekanntes Kapitel Heimatgeschichte vor dem endgültigen Vergessen bewahren zu können.


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